Monika Weßeling

Monika Weßeling

Silvesterangst

Silvester geht auf ein christliches Fest zurück. Silvester gehört wie Heilig Abend zu den „heiligen“ Nächten. In der katholischen Kirche ist dies der Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I.

Die letzte Nacht im alten Jahr, die Silvesternacht, mit Knallerei und Feuer zu erhellen, ist jedoch heidnischer Natur. Durch das Getöse sollen böse Geister vertrieben werden. Früher wurden Peitschen oder Schellen verwendet, um Lärm zu erzeugen.

Silvester kann für eine Katze, einen Hund oder ein Pferd großen Stress bedeuten. Das ist völlig abhängig vom einzelnen Individuum. Einem Tier macht Silvester mit Lärm und Böllerei nichts aus, ein anderes zittert wie Espenlaub und hat furchtbare Angst.

 

Die Katze

Bei der Katze spielt die Sozialisation in den ersten 7 Lebenswochen eine sehr große Rolle für eventuell später vorhandene Ängste. Sie sollte in diesen Wochen unterschiedliche Lebewesen kennengelernt haben und verschiedene Geräusche, damit sie sich an laute Geräusche gewöhnen konnte. Wenn das versäumt wurde, haben ältere Katzen oft Angst vor lauten und/oder ungewohnten Geräuschen.

Das Gehör der Katze zählt zu den besten unter den Säugetieren. Es erreicht eine Wahrnehmung bis zu 65.000 Hertz im Ultraschallbereich. Schrille und hohe Töne mag die Katze gar nicht. Sie nimmt nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Stimmung wahr.

Ihre Ohren richtet die Katze immer in Richtung der Geräusche. Wenn die Katze angreifen will, sieht man den Rücken der Ohren. Ist sie völlig entspannt, sind die Ohren leicht nach vorn gerichtet. In ängstlicher Stimmung legt sie die Ohren eng am Kopf an.

Das Katzenohr ist ein kleines Wunder. Jedes Ohr hat 30 Muskeln, das menschliche Ohr hingegen nur 6 Muskeln. Besonders die orientalischen Katzen haben riesige Ohren im Gegensatz zu ihrer zarten Statur.

 

Der Hund

Der Hund kann seine Ohren unabhängig voneinander bewegen. Daher kann er diese nach den Geräuschen ausrichten. Das ermöglichen ihm 17 Muskeln. Er nimmt in Bruchteilen von Sekunden Geräusch wahr, und zwar lange, bevor wir das können, und das sogar im Schlaf.

Auch Hunde können höhere Frequenzen wahrnehmen – bis zu 50.000 Hertz. Ein Beispiel ist die Hundepfeife, die der Mensch nicht hören kann, jedoch der Hund.

Hunde mit Schlappohren, wie der Beagle, haben einen kleinen Nachteil, da die Schlappohren die Schallwellen mindern. Außerdem können die Schlappohren sich nicht so bewegen. Trotz hören sie wesentlich besser als der Mensch.

 

Das Pferd

Das Pferd kann seine Ohren mit Hilfe 16 unterschiedlicher Muskeln unabhängig voneinander in fast alle Richtungen um 180 Grad drehen. Auch Pferde hören in einem größeren Frequenzbereich als der Mensch, sie können beispielsweise die Ultraschallwellen von Fledermäusen wahrnehmen. Da das Pferd ein Fluchttier ist, kann dies sein Leben retten.

Die Stimmung des Pferdes ist am Ohrenspiel erkennbar. Das Hören des Pferdes findet mit dem kompletten Körper statt. Es nimmt Schwingungen mit den Hufen wahr und leitet diese zum Gehirn. Selbst beim Fressen oder Ruhen ist der Hör-Sinn des Pferdes aktiv.

Pferde können Töne bis etwa 25.000 Hertz wahrnehmen. Sie haben ein äußerst sensibles Gehör und können daher Geräusche filtern. So kann es beispielsweise seinen Halter am Gang erkennen.

 

Was ist sonst noch zu beachten?

Durch ihr gutes Gehör sind Knallereien und ähnliches für Katze, Hund und Pferd viel schwerer zu ertragen als für den Menschen.

Freigängerkatzen sollten Sie möglichst mehrere Tage vor Silvester nicht mehr aus dem Haus lassen. Der richtige Zeitpunkt ist der, wenn Sie die ersten Silvesterkracher hören. Lassen Sie Ihre Katze auch nicht mehr in einen „katzensicheren“ Garten. Sollte sie sich stark erschrecken, wird sie eine Fluchtmöglichkeit suchen und in Panik geraten. Katzen sind wahre Ausbrecherkönige.

Mit ängstlichen Hunden sollten Sie auf ruhigen Wegen spazieren gehen. Suchen Sie Wege, die nicht so belebt sind. Nehmen Sie immer Leckerchen bei einem Spaziergang weg. Wenn es knallt, geben Sie Ihrem Hund sofort ein Leckerchen, so dass er damit etwas Positives verbinden kann und die Angst verliert.

Lassen Sie Ihren Hund nicht von der Leine. Gerade um Silvester herum häufen sich die Meldungen von entlaufenen Hunden und Katzen.

Weihnachtsmärkte sind absolut tabu, viele Hunde haben dort massiv Angst, reißen sich vielleicht sogar los von der Leine und Sie müssen sich auf die Suche nach einem Nervenbündel machen. Bitte lassen Sie Ihren Hund zu Hause. Machen Sie sich selbst einen schönen und entspannten Tag auf dem Weihnachtsmarkt.

Auf der Straße können Katzen und Hunde durch einen Feuerwerkskörper verletzt werden.

In Ihrer Wohnung sollten Sie für Ihr Tier mehrere Rückzugsorte zur Verfügung stellen. Dann kann es sich vor dem Lärm draußen verstecken. Dazu eignen sich beispielsweise Höhlen, Transportkörbe o. ä. Ziehen Sie rechtzeitig die Rolläden herunter und schließen vorhandene Gardinen.

Lassen Sie die Türen geöffnet. Dann weiß ihr Tier, dass Sie zu Hause sind.

 

Kurz vor Mitternacht

Wenn es auf Mitternacht zugeht, sollten Sie leise Musik oder den Fernseher als Geräuschkulisse laufen lassen, damit die Silvesterkracher nicht so dominant sind. Dazu eignet sich eine CD oder DVD.

Lassen Sie in den Räumen das Licht brennen, damit das grelle Licht von gezündeten Raketen nicht so sehr auffällt.

Bestärken Sie Ihr Tier nicht in seiner Angst. Bleiben sie ruhig und gehen Sie Ihrem normalen Alltag nach. Wichtig ist Routine. Sprechen Sie in ruhiger und langsamer Tonlage mit Ihrem Tier.

Manche Tiere mögen es, als Ablenkung zu spielen. Hier bieten sich Beschäftigungsspielzeuge, auch mal mit Leckerlies, an.

Kauen beruhigt ebenfalls: Bieten Sie rohes Fleisch an oder alternativ getrocknete Fleischstreifen.

 

Pferde

Wenn Ihr Pferd auf der Koppel oder dem Paddock sehr unruhig wird, sollten Sie es in den Stall bringen. Dort lassen Sie das Licht an und schließen alle Fenster und Türen. Dann werden die Lichter am Himmel nicht so stark wahrgenommen.

Jedes Pferd benimmt sich anders. Sie kennen Ihr Pferd am besten und wissen, ob es sich im Stall oder auf der Koppel wohler fühlt. Im Stall sollten die Pferde während der Silvesternacht auf jeden Fall unter Aufsicht sein. Sprechen Sie dann immer wieder mit den Pferden.

Nehmen Sie mit Ihrer Nachbarschaft um den Pferdehof herum Kontakt auf. Sensibilisieren Sie die Menschen.

Wichtig ist es auch, dass Sie die Zäune vor der Silvesternacht prüfen. Dann sind ggf. noch notwendige Instandsetzungsarbeiten möglich. Auch am Neujahrstag sollten Sie über die Weide gehen und die Zäune nochmals prüfen. Es können sich auch Reste von Böllern usw. irgendwo verbergen.

Hier beruhigt Kauen ebenfalls. Bieten Sie ausreichend Heu an! Ob Ihr Pferd bei leiser Musik aus dem Radio oder von der CD ruhiger wird, sollten Sie im Jahr bereits getestet haben, jedes Pferd reagiert anders.

Wenn in der Pferde-Gruppe ein gelassenes und ruhiges Pferd dabei ist, dass schon an Silvester gewöhnt ist, ist das ein großer Vorteil. Es kann die jüngeren und unerfahrenen Pferde beruhigen.

 

Welche Therapien eignen sich?

Zur Minderung der Angst kann eine Bachblütenmischung beitragen. Sie muss jedoch immer auf das einzelne Tier abgestimmt sein. Die sogenannten Notfalltropfen können kurzzeitig helfen. Achten Sie jedoch darauf, dass diese keinen Alkohol enthalten und für Tiere geeignet sind.

Auch die Homöopathie eignet sich zur Stressbewältigung. Das Mittel muss individuell analysiert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Mykotherapie, das sind Vitalpilze aus der Traditionellen Medizin (TCM). Tiere fressen erstaunlicherweise oftmals sehr gerne die Pilzkapseln, sogar die für ihre Mäkeligkeit bekannten Katzen.

Sie können Katze, Hund und Pferd auch eine Geräusch-CD vorspielen. Damit sollten Sie mehrere Wochen vor Silvester starten, um Ihr Tier daran zu gewöhnen.

Pheromone (Feliway) können bei manchen Katzen oder Hunden wirken. Mir haben in meiner Praxis leider bisher noch keine Kunden von positiven Erfahrungen berichtet.

Thundershirts, das sind eng anliegende Shirts, können Katze und Hund die Angst nehmen. Das Shirt kann nach Belieben eng angezogen werden, es beruhigt das Tier ohne Medikamente und ohne Wirkstoffe nur durch den eng anliegenden Stoff. Es ist einfach zu benutzen.

Das Thundershirt kann auch zu anderen angstauslösenden Ereignissen getragen werden, beispielsweise bei Gewitter.

Das Tier soll sich geborgen fühlen und hat weniger Stress. Es wirkt bei vielen Hunden und Katzen. Auch eine Bandage ist möglich.

Sie sollten dieses Shirt jedoch mehrere Wochen vor dem „großen Einsatz“ testen. Manche Hunde und Katzen mögen das Shirt gar nicht und lassen es sich nicht anziehen. Auch der Klettverschluss, der Geräusche verursacht, ängstigt viele Tiere.

Manchem Hund wird die Angst etwas genommen, wenn Sie ihn in eine Decke einwickeln und bei ihm in der Nähe bleiben.

Es gibt natürlich noch mehr Möglichkeiten, damit Ihre Katze, Ihr Hund oder Ihr Pferd zukünftig besser und stressfreier mit Silvester umgehen kann. Eine Therapie sollten Sie jedoch mindestens mehrere Wochen oder Monate vorher beginnen. Sehr gerne helfe ich Ihnen dabei.

 

Ihre Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin in Langenfeld und Umgebung

 

 

Monika Weßeling

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere interessante Artikel

Futter für die Katze

In der Natur würde die Katze Mäuse, Ratten, Vögel und Insekten über den ganzen Tag und die ganze Nacht verteilt fressen. Doch wie können wir unsere Hauskatze gesund ernähren?

mehr lesen

Zähne der Katze und Zahnerkrankungen

Die Zahnkrankheit FORL – Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen an den Zähnen – nimmt bei Katzen immer mehr zu. Mittlerweile schätzt man, dass jede 3. oder 4. Katze ab dem Alter von 4 oder 5 Jahren an FORL leidet.

mehr lesen

Zeckenzeit 2018

Die Zeckenzeit hat begonnen. Zecken zählen zu den Milben. Es gibt etwa 900 Zecken-Arten weltweit. Alle saugen Blut und können Krankheiten übertragen (Borreliose etc.). Sie haben sich zu einer Plage entwickelt.

mehr lesen