Monika Weßeling

Monika Weßeling

Interview mit Susann Bernert

Hallo Susann und schön, dass Du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast.
Bevor wir näher darauf eingehen, was Du beruflich machst, würden wir gerne erst einmal ein paar persönliche Dinge über dich erfahren. Könntest Du dich dazu den Lesern kurz vorstellen?

Ja, super gerne. Mein Name ist Susann Bernert, habe 2 Kinder und ich bin seit beinahe 10 Jahren selbstständig. Ich biete einen tierischen Rund-um-Service auf der Insel Fehmarn mit Hundebetreuung und Hundetraining an. Seit 4 Jahren unterstütze ich außerdem parallel dazu andere Tierisch Selbstständige dabei, in ihrem Business voran zu kommen. Hierbei habe ich mich auf Werbemöglichkeiten wie Webseiten, Flyer usw. spezialisiert. Außerdem habe ich einen Blog speziell für Tierisch Selbstständige. Privat habe ich derzeit eine American-Cocker-Hündin und einen Bretonen, der sein Gnadenbrot bei mir bekommt. Außerdem gehören 3 Kaninchen zu unserer kleinen Familie. Privat fotografiere ich gern, bin ein großer Disney-Fan und puzzle gern, aktuell ein 40320-Teile-Disney-Puzzle.

Wie bist Du dazu gekommen, etwas mit Tieren zu wollen? War das schon von klein auf dein Berufswunsch oder hat sich das erst mit der Zeit in diese Richtung entwickelt?

Tatsächlich hatte ich diesen typischen Klein-Mädchen-Traum davon, Tierärztin zu werden. Aber wie das oft so ist, konnte ich die gewünschte Richtung nicht einschlagen und habe eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte gemacht. In dem Beruf blieb ich dann, bis meine Kinder zur Welt kamen. Die Elternzeit habe ich dann für die Vorbereitungen genutzt, um mein Business zu starten.

Du betreust “tierisch Selbständige”, erstellst Homepages usw. Auch meine Homepage hast Du in 2018 – nach der DSGVO – neu erstellt. Vielen Dank dafür. Wie bist Du dazu gekommen, hauptsächlich tierisch Selbständigen zu helfen und welche Designaufgaben übernimmst Du noch?

Tierisch Selbstständige sind in meinen Augen etwas ganz Besonderes. In den wenigsten Fällen gehen sie nämlich in diese Berufe, weil sie Geld verdienen wollen, sondern weil sie Tieren und ihren Haltern helfen wollen. Das kostet Kraft, Nerven und Empathie und doch gibt es Fälle, in denen man nicht helfen kann. Das ist etwas anderes, wie z.B. ein Computerladen, in den man hineingeht, seine Vorgaben nennt und einen darauf abgestimmten perfekten PC mit nach Hause nehmen kann, wenn man genug Geld dabei hat. Den Tieren und ihrer Gesundheit ist das Geld aber ziemlich egal, dass die Halter in sie investieren. Tierisch Selbstständige haben es also genau genommen mit (mindestens) 2 Kunden gleichzeitig zu tun (Tier und Tierhalter), deren Wünsche und Ansprüche aber manchmal nicht miteinander übereinstimmen. Sie müssen dann Brücken bauen zwischen allen Parteien und das tun sie mit Leidenschaft.

Ein weiterer Punkt ist sicherlich meine Vorkenntnisse im tierischen Bereich. Obwohl ich definitiv nicht allwissend in dem Bereich bin, habe ich doch vieles schon mal gehört und habe ein Auge und Ohr auf Dinge, die wichtig sind, aber im selbstständigen Alltag gern vergessen werden. Ich kenne auch die meisten Sorgen und Nöte aus eigener Erfahrung und kann spezifischer darauf eingehen und helfen, Lösungen zu finden.

Neben der Erstellung und Wartung von Homepages biete ich auch die Erstellung verschiedenster Druckvorlagen an, wie z.B. Flyer, Visitenkarten, aber auch interne Dinge wie Briefpapier, Telefonlisten, Notizblöcke usw. Und seit einigen Monaten habe ich begonnen, mich mit dem Thema Logo-Erstellung gezielter auseinander zu setzen und auch hier schon ein paar Sachen umsetzen können.

Was sind so typische Probleme, mit denen der Selbständige zu Dir kommt und was sind Deine Schwerpunkte?

Ein ganz typisches Problem ist die Webseite. Entweder haben meine Kunden sich mal irgendwann irgendwas bei irgendwem erstellen lassen und können es jetzt weder bedienen noch gefällt es ihnen überhaupt noch. Die modernen Anforderungen, wie ein an verschiedene Endgeräte anpassbares Design sind oft schlichtweg nicht vorhanden. Entsprechende Änderungen können (z. B. durch Baukasten-Systeme) aber nicht gut umgesetzt werden.

Es kommt aber auch vor, dass es noch gar keine Seite gibt, diese erst versucht wird, in Eigenregie zu erstellen und man irgendwann merkt, dass dort so viel an Zeit und Nerven verloren geht, dass man schlichtweg keine Lust mehr hat, weiter daran zu arbeiten oder man ohne Hilfe nicht weiterkommt.


Du hast mehrere Standbeine, u. a. auch den Tierservice Fehmarn. Wie sieht denn ein typischer Tag bei Dir aus?

Chaotisch 😀 Es ist nicht leicht alles, unter einen Hut zu bekommen, denn ich habe ja auch noch 2 schulpflichtige Kinder und irgendwo versuche ich auch noch ein wenig Zeit für mein Privatleben abzuzwacken. Den „typischen“ Tag gibt es bei mir genau genommen gar nicht. Morgens wird direkt die erste Runde mit den Hunden gedreht, anschließend gefrühstückt und die Kinder zur Schule gebracht. Wenn ich davon zurückkomme, werde ich schon von einer Meute halb-verhungerter Hunde erwartet, die Futter bekommen. Nach dem Füttern ruhen die Hunde und ich habe Zeit für den Büroalltag – bis mittags die Kinder wieder abgeholt werden müssen. Je nach der Nachmittagsplanung schaffe ich es dort auch noch mal 1-2 Stunden etwas für Büroarbeiten einzuplanen. Später geht’s dann mit den Hunden auf die große Abendrunde, anschließend Essen, Kinder ins Bett, Hunde füttern, Feierabend oder noch einmal Büroarbeit. Durcheinander gebracht wird diese Grundstruktur aber immer gern durch unplanmäßige, kurzfristige Termine (vormittags, nachmittags und auch abends); die Zusammenarbeit mit der Stadt (ich nehme vorübergehend Fundhunde in Obhut), akut erkrankte Kinder oder Tiere, mir gebrachte Wildtierkinder, die gepäppelt werden müssen etc. pp..

An ganz schlimmen Tagen kann es sogar mal vorkommen, dass ich mal gar nichts im Büro schaffe. Dann muss ich das alles zu anderen Zeiten nacharbeiten. Ich habe aber das wahnsinnige Glück, dass meine Kunden oft in einer ähnlichen Situation sind und dafür Verständnis haben.

Was machst Du am liebsten beruflich? Du bist sehr vielseitig mit Ernährungsberatung, Hundetraining, Tierbetreuung und dann auch wieder Homepage-Betreuung usw.

Ich liebe beides und beides hat Vor- und Nachteile. Es gleicht sich für mich unheimlich gut aus, da ich beim Umgang mit den Tieren vor allem mental und emotional agiere; es bei der Homepage-Betreuung aber auf der anderen Seite sehr berechenbar zugeht. Die Ernährungsberatung kommt mittlerweile sehr zu kurz, was aber auch daran liegt, dass ich hier derzeit keine wirklich fundierte Ausbildung habe, sondern nur die Schulungen eines Herstellers. Bevor ich hier wieder mehr Energie investiere, würde ich mich dahingehend noch einmal unabhängig von Futtermittelherstellern ausbilden lassen. Dafür sehe ich aber in den nächsten Monaten keine zeitliche Kapazitäten.

Fehmarn ist vor allem im Sommer auch eine “Urlaubsinsel”. Kommen oft Urlauber zur Dir zum Hundetraining oder zur Betreuung der Hunde?

Ja, ich habe Anfragen aus ganz Deutschland und mittlerweile sogar aus dem Ausland – einer meiner Stammkunden kommt mehrmals im Jahr aus der Schweiz her, um seinen Hund abzugeben. Mittlerweile ist es häufig so, dass ich für kurzfristige Anfragen keine Plätze mehr frei habe.

Du arbeitest auch aktiv ehrenamtlich im Tierschutz. Was machst Du da genau?

Ich berate Leute, wenn sie zum Beispiel vermeintlich verwaiste junge Wildtiere gefunden haben und nehme diese bei wirklicher Notwendigkeit zur Aufzucht auf. So landen hier jährlich verschiedene Jungtiere wie Kaninchen, Vögel oder Katzen. Außerdem werde ich von der Polizei oder der Stadt informiert, wenn ein Hund oder ein anderes Tier gefunden wird. Das verbleibt dann in den meisten Fällen bis zur Abholung durch den Besitzer bei mir. Wird das Tier nicht abgeholt oder möchte der Besitzer das Tier nicht wieder übernehmen, wird es entweder an das zuständige Tierheim weitergeleitet oder verbleibt bei mir zur weiteren Vermittlung. Ich helfe aber auch so, wenn Leute auf der Suche nach einem neuen Hund sind oder ein zu Hause für ihr Tier suchen, weil sie es selbst nicht mehr halten können. Wenn möglich biete ich auch Pflegestellenplätze für Heimtiere bis zur Vermittlung an, derzeit ist ein Pflegeplatz durch Boogey allerdings bis auf weiteres belegt.

Bist Du meistens ein “Ein-Frau-Betrieb” oder hast Du öfter auch Mitarbeiter?

Im Tierservice Bereich habe ich mittlerweile 2 Mitarbeiterinnen, die mich im Bereich der Raum- und Tierpflege und bei den Tierservice-Büroarbeiten unterstützen.
Im Office-Bereich hatte ich einige Monate eine virtuelle Assistentin, das hat aber leider nicht so gut geklappt, wie ich es mir gewünscht habe und so arbeite ich hier momentan wieder allein. Ich könnte mir aber gut vorstellen, auch hier in Zukunft auszubauen; dann allerdings nicht im Rahmen einer virtuellen Assistentin sondern in Form eines Mitarbeiters (oder Mitarbeiterin), die im HomeOffice arbeitet und mich bei meinen Aufträgen unterstützt.

Was waren in den letzten Monaten Deine interessantesten Projekte?

Eine interessante Frage. Letztlich ist für mich jedes Projekt etwas Besonderes. Gerade die Homepage-Projekte entwickeln sich manchmal über mehrere Monate, weil sich reflektorisch in dieser Zeit bei meinen Kunden viel tut. Aus der Nebentätigkeit wird plötzlich eine Vollzeitgeschichte, evtl. ändert sich das Angebot oder das Geschäftsfeld gänzlich. Oft stehe ich auch in anderen Belangen in dieser Richtung dann mit Rat und Tat zur Seite und habe immer ein offenes Ohr für die Sorgen meiner Kunden. Dadurch sind schon tolle Sachen entstanden.

Und zum Schluss: Gibt es eine besondere Anekdote aus deinem Berufsleben, die du den Lesern auf keinen Fall vorenthalten willst? Vielleicht ein besonders tolles Erlebnis? Ein ganz spezieller Kunde? Oder oder…

Ich finde es immer wieder toll, wie sich manche Menschen für ihre Tiere einsetzen: Ein ganz besonderer Tierbetreuungskunde ist ein Labrador, den ich seit vielen Jahren betreue, wenn seine Besitzer arbeiten. Mit einem Jahr hat man nach vielen Monaten Untersuchungen einen schweren Herzfehler diagnostiziert, die Prognose lag bei 2,5 Jahren. Mit Medikamenten und regelmäßigen Kontrollen geht es ihm heute noch sehr gut, er ist jetzt 7 Jahre. Eine andere Hündin aus dem Ausland begleite ich schon viele Jahre im Hundetraining und der Tierbetreuung. Sie lässt alles geschehen, mag es aber nicht angefasst zu werden und geht dem aus dem Weg. Seit etwa einem halben Jahr ist sie nun soweit, den Kontakt zu mir soweit aufzubauen, dass sie sich gern anfassen lässt. Auch ein Chihuahua, der aus schlechter Haltung Angst vor allem und vor allem vor großen Hunden hatte, haben wir innerhalb weniger Wochen soweit Sicherheit vermittelt, dass er am Ende hocherhobenen Hauptes zwischen 2 Rhodesian Ridgebacks spazierte.

Vielen Dank für dieses schöne Interview und weiterhin ganz viel Spaß bei dem, was du tust und viel zufriedene Tiere und Ihre Menschen dazu!

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